Grundlagen Schleifen & Polieren

Die meisten Privatanwender befassen sich mit dem Thema „Schleifen und Polieren“, weil verlegte Natursteinfliesen ihren Glanz verloren haben.

„Glanz“ bedeutet bei jedem Gestein, dass einfallendes Licht parallel reflektiert wird. Wird Licht diffus reflektiert, erscheint die Oberfläche „matt“. Damit Licht parallel reflektiert werden kann, muss die Oberfläche glatt sein. Jede Unebenheit verändert den Winkel, mit dem das Licht gespiegelt wird.

Wie gut man einen Stein glätten kann, hängt wesentlich von seiner Härte und inneren Konsistenz ab. Je härter ein Gestein oder eine Betonmischung ist, desto effektvoller lässt sie sich polieren.

Bei Beton kommt es dabei nicht nur auf die Mischung an, sondern auch auf die Ruhezeit nach dem Guss, die nicht unter 6 Wochen liegen sollte. Verhindern Sie ein vorzeitiges Austrocknen durch Abdecken mit einer Folie oder durch gelegentliches Wässern. Nur so kann der Beton optimal aushärten wenn Sie ihn später polieren möchten.

Ein ganz anderes Thema sind die Kalksteine wie Marmor und Granit. Versuchen Sie einmal die Kalkablagerungen in Ihrer Kaffeemaschine zu polieren: sie zerbröseln. Marmor und Granit bestehen aus nichts anderem als was sich in Ihrer Kaffeemaschine ablagert. Durch extremen Druck und Hitze im Erdinneren wurde die Anordnung der Atome jedoch so verändert, dass dieser Kalk hart wurde. Wir kennen Ähnliches von den Diamanten, die im Grunde auch nichts anderes sind als unter Druck veränderter Kohlenstoff.

Wenn Granit oder Marmor ihren Glanz verlieren, kann das zwei Ursachen haben. Bei dem weicheren Marmor passiert es schneller als beim härteren Granit, dass Steine unter den Schuhen Kratzer hinterlassen. Das Licht wird nicht mehr an jeder Stelle parallel reflektiert sondern diffus. Der Glanz ermattet. Wenn Sie das wieder rückgängig machen wollen, dann müssen Sie den Stein so weit abschleifen bis die tiefsten Stellen der Kratzer beseitigt sind. Hierfür eignen sich Schleifscheiben mit Korn 100 oder 50, je nach dem wie viel Sie abtragen müssen. Natürlich hinterlassen diese Schleifmittel keine geglättete Fläche, sondern ebnen diese nur. Ab Korn 200 tragen die Schleifscheiben nur noch wenig vom Stein ab und kommt man in den Bereich der Politur. Je härter der Stein, desto früher ist man damit fertig. Bei Granit genügt oft ein Finish mit Korn 800, bei dem weicheren Marmor ist es meistens bei Korn 3000 gut. Ist der Stein noch weicher, kann auch mal Korn 10.000 erforderlich sein oder ist eine Politur gar nicht möglich.

Die zweite verbreitete Ursache für ermatteten Glanz ist die Verwendung falscher Reinigungsmittel oder eine versehentliche Beschädigung. So wie Sie Ihre Kaffeemaschine mit Säuren entkalken können, löst sich auch Marmor und Granit auf, wenn er mit sauren Flüssigkeiten in Kontakt kommt. Der Prozess des Härtens unter Hitze und Druck wird rückgängig gemacht, so wie ein gehärteter Stahl durch Ausglühen wieder weich wird. Da beide Gesteine sich mit Flüssigkeiten vollsaugen, also letztlich porös sind auch wenn man das nicht sieht, können die Säuren sehr tief eindringen. Indem die Säure mit dem Kalkstein eine chemische Reaktion eingeht, wird sie zwar neutralisiert. Aber je nach Menge, Häufigkeit und Zeitdauer des Angriffs, sind Beschädigungen nicht nur oberflächlich, sondern tiefgreifend. Ähnlich wie bei Karies am Zahn, setzt eine Sanierung voraus, dass man nach einem Abschliff irgendwann wieder auf „gesundes“ Material trifft, also Gestein mit der ursprünglichen Härte. Darüber, wann dies bei Ihnen der Fall ist, können wir Ihnen keine Auskunft geben. Sie können Ihren Stein aber selber untersuchen. Hartes Material setzt jedem Gegenstand mit dem Sie diese Fläche angreifen einen Widerstand entgegen. Weiches Material lässt den Gegenstand eindringen. Man kann das mit einer Messerspitze testen oder einem kleinen Steinbohrer, den man lediglich zwischen den Fingern dreht oder mit einem Hämmerchen vorsichtig hinten drauf haut. Es sind Näherungswerte, nichts professionelles, aber besser als nichts zu wissen darüber, was einen erwartet. Vergleichen Sie das Verhalten Ihres Steines an der beschädigten Stelle mit den Eigenschaften einer unbeschädigten Stelle, dann bekommen Sie ein Gefühl für die Situation.

Bitte bedenken Sie bei Ihrem Vorhaben, dass glatt polierte Oberflächen die Rutschgefahr erhöhen, wenn Personen mit nassen Schuhen eine Treppe oder einen Raum betreten. Wir haben deswegen auch Kunden, die glatte Flächen bewusst mit unseren Schleifmitteln anrauen. Probieren Sie dafür unser Korn 200 oder den Nachbarbereich Korn 100 oder 400. Hochglanz und Nassraum passen nur zusammen, wenn sich zwischen den Fliesen viele Fugen befinden, die Platten also klein sind wie etwa bei einem Mosaik. Dann finden die Füße und Schuhe Halt an den Kanten der Fugen. Auf großen polierten Platten besteht in Kombination mit Nässe immer große Rutsch- und Verletzungsgefahr!

Abschließend gehen wir auf ein gelegentlich auftretendes „Problem“ mit unseren Trocken-Schleifscheiben ein. Es kommt vor das Kunden reklamieren, die Trocken-Schleifscheiben würden abfärben. Dies ist in bestimmten Situationen tatsächlich so, liegt aber nicht an unseren Scheiben, sondern an der Situation.

Die Diamanten sind in einer eingefärbten Kunstharzmasse eingegossen. Wenn Sie damit einen harten Stein schleifen oder polieren, dann kratzen die Diamanten auf dem Material und der Abrieb des Gesteins reibt auf der Bindung, so dass auch diese sich langsam abnutzt und immer wieder neue, scharfe Diamanten aus der Masse nach vorne treten. Ist der Stein hingegen weich, sei es von Natur aus oder durch einen Säureschaden, dann setzt er den Diamanten keinen Widerstand entgegen. Die Diamanten tauchen vollständig in das Schleifgut ein und das Schleifgut selber reibt auf der Kunstharzbindung. Für unser Werkzeug und Ihre Situation bedeutet dies „Alarm“. Hier läuft was nicht so wie es laufen sollte. Besonders bei einer Körnung feiner als 800 kann das Phänomen auch auftreten, wenn der Stein eigentlich okay ist, aber der Handwerker viel zu stark auf die Maschine drückt oder das Eigengewicht der Maschine bereits zu hoch ist. Benötigt wird beim Polieren keine Arbeit mehr im Sinne eines Abtrags, sondern es geht um ein Glätten im atomaren Bereich. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt und nicht Kraft. Wir können in unsere Scheiben keine roten Warnleuchten einbauen, aber die Färbung kann in manchen Fällen signalisieren, dass Sie etwas überdenken sollten.

Es ist richtig, dass man mit Nassschleifscheiben etwas weniger auf den ausgeübten Druck achten muss, weil die Scheiben auf einem Wasserfilm gleiten. Die Reibung im Trockenschliff ist bei gleichem Druck ungleich höher, was beim groben Korn keine Rolle spielt, im Feinschliff aber schon. Das ist aber kein Nachteil, sondern erfordert lediglich eine andere Handhabung. Im Trockenschliff sehen Sie dafür immer sofort, was Sie gerade machen. Wenn Sie aber alles richtig machen und die Scheibe dennoch färbt, dann liegt das am Stein. Prüfen Sie dessen Härte am besten bevor Sie Werkzeuge kaufen, aber spätestens jetzt, denn einen durch Säure aufgelösten Stein oder einen von Natur aus weichen Stein, kann man nicht mechanisch polieren. Um solch einen Stein zu schleifen, benötigen Sie auch keine Diamant-Schleifmittel. Weiche Steine können Sie mit jedem Schleifpapier bearbeiten ohne das dieses stumpf wird. Harte Steine können Sie auch mit Schleifpapier bearbeiten, aber binnen Sekunden oder Minuten ist das Schleifpapier stumpf und muss gewechselt werden. Für diese Fälle gibt es unsere Diamant-Werkzeuge. Für uns gilt: je härter das Schleifgut, desto besser. Wir vertreiben keine besonders edlen Werkzeuge, die sich für alles eignen. Klar kann man mit Diamanten auch Kalk, Sandstein und weichen Estrich abtragen, aber dafür sind die Scheiben nicht gemacht. Sie werden in diesen Fällen sehr viel schneller abgenutzt als notwendig, weil eine hohe Reibung auf die Bindung einwirkt wenn die Diamanten keinen wirklich harten „Gegner“ finden.

Ein letzter Punkt noch. Manchmal melden sich Leute bei uns, die mit einer Handschleifmaschine 130 qm Naturstein in ihrer Wohnung aufarbeiten wollen. Bitte erwägen Sie, sich für solch ein Projekt entweder geeignete Maschinen zu beschaffen oder einen Fachbetrieb zu beauftragen. Es mag sich viel anhören, wenn ein Fachbetrieb Ihnen 60 € pro qm berechnet, aber oft unterschätzen Laien den Aufwand und die Kenntnisse die erforderlich sind um einen Boden so aufzubereiten, dass dieser anschließend aussieht wie neu. Die eigentliche Frage lautet doch: lassen Sie für 150-300 € pro qm einen neuen Boden verlegen oder war der Boden vor Jahren einmal gut und wäre wieder gut, wenn man den Zahn der Zeit zurückdrehen könnte? Eine professionelle Sanierung ist nicht teuer, sondern spart Zeit und Geld. Ein Badezimmer, eine Garage, eine Treppe, das sind Dimensionen, die auch ein Heimwerker mal mit kleinem Gerät angehen kann, aber große Räume, bei denen man hinterher sieht wenn nicht alles exakt eben ist, sollte nur ein Fachbetrieb oder Profi-Heimwerker mit Profi-Großmaschinen in Angriff nehmen.